Taoistische Pädagogik ist eine Pädagogik der Freiheit.

Wenn Weisheit tanzen, lachen und Gewöhnliches genießen kann, nur dann ist sie authentisch.
Taoismus ist Freiheit, also gibt taoistische Pädagogik dem Kind so viel Freiheit wie möglich, das Kind soll den Geschmack der Freiheit kosten. Sie versucht nicht, das Kind zum Gehorsam zu erziehen. Sie erlaubt dem Kind Rebellion, sie hilft dem Kind sogar, rebellisch zu sein. Wenn Eltern ihren Kindern helfen, rebellisch zu sein, wäre die Welt revolutionär. Und diese Revolution wäre nicht politisch. Sie wäre keine Revolution, die einmal sich ereignet und dann stehen bleibt, sie wäre eine permanente Revolution, denn jede Generation würde sie wieder auf neue Seinsebenen erheben und in neue Sphären des Bewußtseins verlagern. So würden sich immer wieder neue Räume eröffnen.
Der Mensch ist innerlich abgestorben aufgrund des Gehorsams. Das Kind wird innerlich vergiftet durch zu viel Gehorsam. Es ist schwierig für die Eltern, ein ungehorsames Kind zu haben, aber diese Schwierigkeit entsteht, weil sie Gehorsam vom Kind einfordern. Es gäbe keine Schwierigkeit, wenn sie dem Kind Rebellion erlauben würden, wenn sie glücklich sind, wenn das Kind ungehorsam ist. Und wenn sie glücklich darüber sind, kann dieser Ungehorsam nicht destruktiv sein, weil es nichts gibt, wogegen das Kind reagieren könnte, wo es sich verweigern müßte.
21.02.16 - 1
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Wer sich entspannt, liebt sich selbst. Wer sich quält, wird von den anderen geliebt.

Die buddhistischen Mönche machten auf den Osten einen so großen Eindruck, dass der hinduistische Ashram, der damals ein schöner Platz war, zunehmend in die Kritik geriet. Die Seher und die Weisen wurden von den Leuten kritisiert: „Die sind doch genau so materialistisch, wie wir es sind. Die wirklichen Mahatmas und Weisen sind die Buddhisten und die Jainas.“ Demzufolge sah sich der Hinduismus gezwungen, seine ganze Struktur zu ändern.
Auch die Religionen stehen im Wettbewerb in dieser  Welt: Um in diesem Wettbewerb der Religionen weiterhin eine Rolle spielen zu können, änderte der Hinduismus den Stil des Ashrams. Der Ashram wurde asketisch, aber sie behielten den alten Namen bei, sie vergaßen, den Namen zu ändern, ashrama heißt nämlich eigentlich „ein Platz, wo man sich entspannen kann“. Aber die Ashrams sind keine Ashrams mehr, denn da ist keine Entspannung mehr, keine Ruhe, keine Freude und keine Seligkeit.
Heutzutage findet man in einem Ashram Leute, die sich quälen, psychisch gestört, masochistisch, selbstmordgefährdet, aber sehr egoistisch, denn diese ganze Selbstquälerei bringt ihnen großen Respekt vom Kollektiv. Das ganze Land zollt ihnen große Anerkennung für das, was sie da tun. Aber die Schönheit des wirklichen Ashrams, der Entspannungsoase, ist verschwunden.
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Es ist das Ego, das mich erniedrigt oder erhöht, der Existenz ist alles gleich.

Die Existenz kennt keine Demütigung. Es ist das Ego, das sich erniedrigt fühlt, es ist nicht die Existenz. Je größer das Ego ist, das ich habe, desto mehr fühle ich mich gedemütigt. Der Grund dafür ist ist das Ego. Die Existenz kennt keinerlei Erniedrigung oder Demütigung. Niemand vergleicht sich mit anderen. Niemand hat ein Ego, das sich mit anderen vergleichen könnte. Niemand misst sich mit anderen, niemand wetteifert mit den anderen. Die Existenz ist reine Stille, für Wettkampf ist da kein Platz. Niemand stellt Vergleiche an, also fühlt sich auch niemand erniedrigt. Es ist unser psychischer Krebs, das Ego, das sich gedemütigt fühlt. Es gibt nur psychologische Erniedrigungen, keine existentiellen, denn die Existenz kennt kein Ego. Ich erschaffe mein Ego, und mein Ego brockt mir dann eine Demütigung nach der anderen ein.

04.11.15 - 1

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Deprogrammierung ist nötig, so dass Wachstum möglich wird.

Mein Potential ist etwas ganz Unsichtbares, das Mysterium meines Wesens. Wenn ich entsprechend meinem Potential aufwachsen kann und nicht gemäß irgendeiner Ideologie, ist das der größte Segen, den ich bekommen kann.

Wenn meine Suche nach Wahrheit ehrlich ist und nicht bloß eine Neugier, werde ich dorthin gezogen werden, wo mein Durst gestillt werden kann. Die Existenz macht mich nur dann durstig, wenn sie schon Wasser bereit hält, um meinen Durst zu stillen. Dann kann ich ich selbst sein. Das aber ist nur möglich, wenn ich meine Programmierungen loslasse, wenn ich all meine Ideologien und Vorurteile ablege, wenn ich mein Denken an sich aufgebe, so dass die reine Leere meines Wesens zu wachsen beginnt.

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Nichts ist besser als nichts

An was immer ich auch hänge, all das sind bloß falsche Ideen, die andere mir beigebracht haben. Und der Grund, warum ich daran hänge, ist, dass ich Angst habe, dass ich ohne sie leer sein und in einem mir unbekannten Raum herumstolpern würde.

Aber eigentlich ist es die großartigste Segnung in meinem Leben, wenn ich mich von Moment zu Moment immer auf das Unbekannte einlasse. Nur immer beim Bekannten zu bleiben, ist Langeweile pur, jeden Tag dasselbe. Was hat das Leben dann noch für einen Sinn? Ich habe es schon viele Male gelebt, so viele Tage.

Osho hat mir Mut gemacht: Liebe die Veränderung, liebe das Unbekannte.

Ich riskiere alles Bekannte für das Unbekannte und das fühlt sich immer besser an. So bin ich immer auf der Gewinnerseite, denn das Unbekannte birgt verborgene Schätze, aber nur für diejenigen, die das Bekannte loslassen können. Aber das Loslassen muss jeder selbst vollbringen. Das muss meine ganz eigene Entscheidung sein, mein Einsatz in diesem Spiel des Lebens — nur dann wird es mir die langersehnte Freude bringen.

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Erleuchtung ist die letztendliche Wahrheit — der Sucher verschwindet, doch Tao ist gefunden. Aber nur meine Abwesenheit garantiert, dass ich nicht zurückfallen kann.

Wer bin ich ohne meinen inneren Kritiker?
Wer bin ich?
Das ist die Frage, die mich auf meinem Weg begleitet. Mein Weg bringt mich dazu, Risiken einzugehen, aus meiner gewohnten Lebens- und Seinsweise auszubrechen; mein Weg fordert die Grenzen meiner Persönlichkeit heraus und läßt mich nach dem Unmöglichen greifen.
Ich folge unterschiedlichen Lehren, die mir den Weg zurück zu mir selbst zeigen.
Ich reise auf die andere Seite der Erde, um mit meinem Meister zusammenzusein; kein Berg ist zu hoch, kein Tal zu tief…
Wenn der Weg erst einmal aufgetaucht ist, ist der Durst da und möchte gestillt werden.
Durch all die unterschiedlichen Meditationspraktiken und durch Selbsterforschung öffne ich mich und erfahre Zustände der Freiheit, um dann doch wieder in meine alten Muster zurückzufallen.
Wie kommt es, dass dies immer und immer wieder geschieht?
Welcher Mechanismus ist dafür verantwortlich?
Wie kommt es, dass ich mich selbst nicht bedingungslos und vollständig unterstützen kann?
Wie kommt es, dass ich die Schönheit meines So-Seins nicht in einem solchen Maße erkenne, dass ich nichts und niemandem erlaube, eine Trennung in mir zu kreieren?
Wie ist es möglich, dass ich, obwohl mein Körper älter wird, mich im Inneren eher wie ein Kind als wie ein Erwachsener fühle?
Bei näherer Betrachtung stellt sich heraus, dass ich keine direkte innere Wahrnehmung meines Erwachsenen-Körpers besitze, sondern eher eine psychologische Idee davon, wer ich bin.
Wie kommt es, dass ich nicht imstande bin, vollständig präsent zu sein, hier und jetzt zu sein?
Was blockiert meinen Zugang zu meiner Essenz, zu meiner wahren Natur?
Der Mechanismus, der das größte Hindernis für meine Selbstverwirklichung darstellt, wird als „innerer Kritiker“ oder Superego bezeichnet.
Es ist der Teil meiner psychischen Struktur, der ununterbrochen beurteilt, antreibt und die Erfahrung des gegenwärtigen Moments manipuliert.
Das Superego ist der strukturierteste und am höchsten entwickelte Teil der psychischen Struktur. Es wird zur inneren regulierenden Instanz, die übernommene und entwickelte moralische Begriffe und Maßstäbe vom Sein und Handeln enthält. Das Individuum lernt, in sich selbst das gutzuheißen, was seine Eltern gutgeheißen haben und das abzulehnen, was sie abgelehnt haben.
Was abgelehnt wird, wird zumeist aus dem Bewusstsein gedrängt und ins Unterbewusste verbannt; so sind diese Verteidigungsmechanismen letztendlich Formen der Unterdrückung.
Dieses Superego wird von der Gesellschaft Gewissen genannt.
Gewissen ist etwas Unwirkliches. Gewissen wird von der Gesellschaft in mir kreiert. Es ist eine subtile Methode der Sklaverei. Die Gesellschaft bringt mir bei, was richtig und was falsch ist. Und sie konditioniert mich als Kind, bevor ich das merke, bevor ich selbst entscheiden kann, was richtig und was falsch ist, sogar bevor mir bewusst wird, was mit mir passiert, bevor ich die Zusammenhänge verstehen kann.
Wenn ich einfach hier bin, erfahre ich die Seligkeit und Leere, die damit einhergeht. Währenddessen bin ich vollständig befreit vom inneren Kritiker. Ich brauche seine Gesellschaft nicht mehr.
Alleinsein ist Seligkeit, Leere ist Frieden, und dann folgt ein tiefes Erleben, nach Hause gekommen zu sein.
Das „Monster“ ist enttarnt und sichtbar, und während es in meiner Erfahrung ganz real ist, zeigt es sich doch als genauso illusorisch wie der Rest des Denkens.
Bin ich in diesem Moment vollständig präsent?
Nehme ich meinen Körper vollständig wahr? Bin ich mir meiner Sinneswahrnehmungen bewusst?
Bin ich mir meines Wertes und meiner Schönheit bewußt? Und kann ich dies fühlen?
Bin ich in diesem Moment mit meinem Herzen verbunden? Wenn nicht, mit was bin ich dann verbunden?
Bin ich entspannt?
Wie erlebe ich mich eigentlich gerade jetzt? Ist es faktisch oder psychologisch?
Die Antwort zu einigen dieser Fragen lautet „nein“.
Statt Präsenz finde ich ein Urteil über die Tatsache, dass ich bin, wie ich bin.
Oftmals tauchen diese Urteile in der Ich-Form auf, in meiner eigenen Stimme, z.B.:
„Oh, ich bin schon wieder nicht präsent“, „Ich werde es nie verstehen“, und ich glaube diesen Gedanken sofort. Dann wende ich mich gegen mich selbst und erfahre eine Verspannung irgendwo in meinem System. Ich bewege mich fort von mir selbst und vom Hier und Jetzt.
Ich erkenne noch nicht einmal, dass diese Stimmen ihren Ursprung außerhalb von mir selbst haben.
Nach so einer Attacke führe ich mein Leben weiter hinter einem Schleier von Scham und Schuld, meine Energie und mein Körper sind blockiert.
Wenn das Urteil in der Du-Form kommt („Du bist so dumm. Wann wirst du es endlich lernen. Wie lange meditierst du schon? Du könntest genauso gut jetzt damit aufhören.“), kann es leichter als Stimme zu erkennen sein, die nicht im Innersten meine ist. Aber auch dann: Wessen Stimme ist es denn? Und warum höre ich überhaupt darauf?
Dieser innere Kritiker ist die verinnerlichte Stimme meiner Eltern, die mir sagt, wie ich sein soll und wie nicht.
Dieser Kritiker glaubt immer noch, dass ich Schutz vor der Wirklichkeit brauche, genau wie meine Eltern. Er sagt mir, worauf ich mich konzentrieren und was ich glauben sollen.
Tatsächlich ist der Kritiker nichts weiter als eine Ansammlung von sehr festen Glaubenssätzen.
Während die negativen Glaubenssätze für sich sprechen (z.B.: das Leben ist gefährlich, die Menschen werden dich immer betrügen, etc.), sind die positiven ein bisschen schwerer zu durchschauen. Der Kritiker glaubt vielleicht an Qualitäten wie Stärke, Mut, Wert und Mitgefühl, aber er denkt, dass ich mir diese Qualitäten aneignen kann, indem ich etwas tue. Er weiß nicht, dass es innere, angeborene Qualitäten gibt. Daher lobt er mich, wenn ich mich sehr anstrenge und „es gut mache“. Er gibt mir für einen Moment ein gutes Gefühl, aber dieses gute Gefühl ist sehr stark an Bedingungen geknüpft, daran, was ich tue und nicht, wer ich bin. Sobald ich den gewünschten Zustand nicht mehr aufrecht erhalte, wird die Verachtung meines Kritikers mich treffen.
Die Stimme des inneren Kritikers treibt mich fortwährend an, bestimmte Qualitäten zu produzieren, ein spiritueller Sucher zu sein und bestraft mich, wenn es mir nicht gelingt.
Jedes Mal, wenn ich dem inneren Kritiker folge, ist es eine Art von Selbstbetrug, und unbewusst erlebe ich wieder die Wunden der Vergangenheit.
So ist es kein Wunder, dass sich meine angeborene Intelligenz nicht mehr zeigt.
So ist es kein Wunder, dass ich krank werde, ist mein Selbsthaß doch die ursprüngliche Autoimmunkrankheit. Ich lehne mich ab, statt mich zu verteidigen.
Oft begleitet eine nervöse Anspannung diese Erfahrung.
In bestimmten Situationen meines Lebens ist mein Kritiker dominanter, immer, wenn es um Sex, Geld und Beziehungen geht.
In meiner Kindheit wurden meine Instinkte oft sehr verurteilt, daher hat sich der Kritiker an meine drei Grundinstinkte angehaftet: den sexuellen, den sozialen und den Überlebensinstinkt.
Darum ist seine Attacke häufig so unvermittelt.
Wenn ich mich in einer Situation befinde, die mein Überleben bedroht, dann finde ich sofort auch den Kritiker vor, der meine alten Glaubenssätze über Sparsamkeit bestärkt.
„Gib nicht so viel Geld aus, sonst wirst du bald pleite sein.“
„Alles geht den Bach runter.“
„Wenn du dich so verhältst, wirst du es nie schaffen, also beeil dich mal lieber und tu etwas.“
Auf diese Weise verharre ich in meinem Armutsdenken, verstärke es nur und fühle mich frustriert, weil ich keinen Ausweg finde.
Der Kritiker hält mich auf. Er blockiert meine Spontaneität und baut Streß und Spannung auf, während der natürliche Fluß meiner Energie unterbrochen wird.
Warum würde irgendein intelligentes Wesen weiter auf diese Stimmen hören?
Warum habe ich sie nicht hinter mir gelassen, nach meiner ersten Meditation, sie aus meinem System geworfen, ein für allemal?
Dafür gibt es viele Gründe.
Zuallererst sind diese Stimmen der Klebstoff, der meine Konditionierung zusammenhält.
Diese Eindrücke sind abgespeichert und meinem Bewusstsein nicht unmittelbar zugänglich.
Ich kann sie nur durch direkte innere Körperwahrnehmung erreichen.
Hauptsächlich höre ich dem Kritiker zu, weil ich mich so verloren fühle und ständig bewußt oder unbewußt nach Führung und Unterstützung suche.
Während einer idealen Kindheit ist eine Bezugsperson da, die mich in die Welt hineinführt und mir dabei Halt gibt in diesem für ein Kleinkind unbegreiflichen Unbekannten.
Natürlich ist die gesellschaftliche Wirklichkeit ganz anders.
Das Kind ist bereits von der Quelle, die natürlichen Halt gibt, abgeschnitten und braucht verzweifelt Führung, und stattdessen sind da nur die Ideen und Glaubenssätze der Eltern und das unmittelbare Erleben des Kindes, sich bzw. sein Selbst verloren zu haben.
Wenn ich als Kind erst einmal meine ursprüngliche Natürlichkeit verloren habe, brauche ich ein Identitätsgefühl, um zu wissen, wer ich bin. Ich halte an allem fest, was mir gegeben wird. Ich verliere mich selbst, bevor ich denken und für mich selbst entscheiden kann, was richtig und was falsch ist. So bin ich vollkommen von anderen abhängig.
Ich bin so abhängig, dass ich an den verinnerlichten Stimmen meiner Eltern festhalte, selbst wenn diese mir längst nicht mehr sagen, was ich zu tun habe.
Das gibt mir die Illusion von Unterstützung und die Illusion, eine bestimmte Identität und ein bestimmtes Image zu besitzen.
Suche ich nach Unterstützung außerhalb meiner selbst oder im Kern meines Wesens?
Ich spüre die Abwesenheit von Unterstützung.
Die Wahrheit ist aber, dass bedingungslose Unterstützung zu meiner Verfügung steht, jederzeit.
Das ist nicht etwas, das ich aufbauen muss. Es ist schon da. Ich habe es nicht einmal verloren. Das einzige, was ich verloren habe, ist meine Verbindung dazu.
Ich besitze ein eingebautes Wissen, dass das Leben mich unterstützt, dass ich fähig bin, das zu tun, was ich zu tun habe. Das gibt mir das Vertrauen, dass ich in Ordnung bin, so wie ich bin.
Wenn ich mich wieder mit dieser inneren Unterstützung verbinde, finde ich ein tiefes Gefühl der Entspannung und der Leichtigkeit des Seins.
Ich giere nicht mehr nach der Führung durch den inneren Kritiker. Ich verbinde mich wieder mit dem wahren inneren Führer. Ich giere nicht mehr nach Gesellschaft. Ich genieße es, ich selbst zu sein.
Dies bringt mich zu einem weiteren Grund, warum ich am Superego festhalte.
Wenn ich mein Superego loslasse, lasse ich auch meine Eltern los. Wenn ich meine Eltern loslasse, lasse ich das Kind los. Und damit lasse ich meine Identität los. Das macht mir Angst, da ich nicht an so viel Freiraum und Energie gewöhnt bin.
Ich trage den Glaubenssatz in mir, dass ich wissen muss, was ich tun will, bevor ich es tue. Ich glaube, dass ich ohne Konzepte nicht funktionieren kann.
Die Wahrheit ist, dass hier das wirkliche Leben beginnt, weil ich jetzt erst aufhöre, lediglich zu überleben. Statt ein Selbstbild zu haben, bin ich ich selbst.
Dann bin ich anwesend in meinem eigenen Leben. Ich bin hier, um mein Potenzial vollständig zu verwirklichen.
Je mehr ich wachsen will, je mehr ich aus den Grenzen der Gesellschaft heraustrete, desto aktiver wird der innere Kritiker. Je mehr ich meditiere, desto mehr ist nach Ansicht des Kritikers mein Überleben bedroht. Er wird alles in seiner Macht Stehende tun, um den Status quo aufrechtzuerhalten. Und er glaubt, dass dies mir Erfolg bringen und mein Überleben garantieren wird.
Es braucht Entschlossenheit, mich in solch einer Tiefe kennen lernen zu wollen.
Wenn ich vom Kritiker angegriffen werde, habe ich die Tendenz, mich auf die Verspannung und den Schmerz zu konzentrieren und ich nehme nichts mehr davon wahr, was sonst noch passiert.
In dem Maße, in dem mir bewusst ist, was passiert, erlebe ich die Wirklichkeit.
Ich erweitere also meine Bewusstheit auf die Wahrnehmung meines Körpers.
Ich bleibe bewußt in meinen Emotionen. Ich bin mir meiner Gedanken bewusst und gehe nicht in ihnen verloren.
Ich frage mich: Stimmt das wirklich, was ich glaube?
Ich achte darauf, wer mein Leben steuert.
Es geht nicht darum, mich zu ändern, sondern es geht um mehr Bewusstheit von dem, was da ist.
Nicht-Denken hilft mir zu erkennen, was existenziell wirklich ist, was immer hier ist, immer hier war und immer hier sein wird.
Alle Erfahrungen kommen und gehen wieder.
Das Kind hat nur drei Möglichkeiten, mit dem Kritiker umzugehen:
Argumentieren, Kämpfen oder Zusammenbrechen.
Mit dem Superego zu argumentieren ist eine verlorene Schlacht, es wird immer gewinnen. Es ist nicht auf Logik aufgebaut. Für das Kämpfen gilt das gleiche. Kollaps ist eine Anti-Strategie.
All dies sind Wege, wie ich mich auf das Superego einlasse. Das hält mich lediglich gefangen.
Sobald ich bemerke, dass ich mich wieder darauf eingelassen habe: STOPP. Denken sofort einstellen.
Ich bin wertvoll, weil ich existiere. Mein wahrer Wert liegt in meinem So-Sein.
Ich muss zu meiner Kraft, Stärke und natürlichen Aggression Zugang haben, um den Kritiker wegzuschicken. Wenn ich das nicht habe, wird er all meine unterdrückte Aggression gegen mein eigenes So-Sein richten.
Innere Stärke entsteht, wenn ich erkenne, dass der Kritiker mein So-Sein angreift und ich nicht länger bereit bin, das zu akzeptieren.
Ich muss mich von dem Kreislauf zwischen Kritiker und Kind freimachen und mich in mein So-Sein entspannen.
Innere Selbstverurteilung ist die ursprüngliche Autoimmunkrankheit, denn sie kreiert Selbst-Ablehnung anstatt Selbst-Verteidigung.
Wenn ein gesundes Tier angegriffen wird, dann verteidigt es sich. Ein gesundes menschliches Wesen ebenfalls. Ich bin nur so sehr daran gewöhnt, heruntergemacht zu werden, dass ich nicht sofort für mich einstehe. Niemand machte mich darauf aufmerksam, dass ich vollkommen bin, genau so, wie ich bin.
Die gute Nachricht ist, dass ich das wieder einfordern kann.
Dies ist wahre Selbstliebe, dies wird mich zu meiner wahren inneren Führung bringen, zu meinem inneren Meister, dazu, mir selbst zu vertrauen und mein einzigartiges Selbst zu sein.
Meine Persönlichkeit ist unnatürlich. Sie ist das, was andere aus mir gemacht haben. Individualität ist meine Natur. Sie ist das, was ich bei meiner Geburt mitgebracht habe.
Aber meine Individualität ist zugedeckt worden mit so vielen Schichten von Kultur, Etikette, Erziehung, Religion, Gesellschaft, dass ich vollständig vergessen habe, dass ich hier bin, um zu wachsen.
In dem Moment, in dem meine Persönlichkeit auseinander fällt, entdecke ich auf einmal mein ursprüngliches So-Sein. Und meine ursprüngliche Natürlichkeit ist immer eine ungeheure Transformation. Ich habe mein natürliches Wesen, meine Spontaneität und meine Freiheit wiedergefunden. Und dies sind die grundlegenden Elemente, die mir auf deinem Weg helfen.
Jetzt kann ich alleine weitergehen, ohne Führer, ohne Vaterfigur, ohne Priester, ohne Gott. Ich fühle eine seltsame Zufriedenheit mit mir selbst. Ich fühle, dass ich in mir selbst vollständig bin.
Und wenn ich am innersten Kern angekommen bin, ist da nur Nichts, Stille. Aus dieser Stille, aus diesem Nichts heraus ist alles möglich und ich brauche überhaupt nichts tun. Genau wie sich der Same in der richtigen Erde in einen Sprössling verwandelt. Und bald wird der Sprössling zu einem üppigen grünen Busch voller Blüten und Duft.
Für mich ist das Taoismus.
Dann erfahre ich alles als eins.

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Wenn ich denke, dass etwas negativ ist, kann ich mich nicht öffnen. Diese Furcht vor dem Negativen macht mich verschlossen. Dann bin ich zu und kann nicht offen sein.

Der Taoismus betrachtet das Mögliche und entdeckt im Menschen nicht bloß das Tier, sondern die Göttlichkeit: Der Mensch ist Gott. Beides ist da. Der Konflikt ist sinnlos, der Konflikt zwischen Wissenschaft und Religion ist sinnlos. Ihre Orientierungen, ihre Arbeitsweisen, ihre Betätigungsfelder sind verschieden. Die Wissenschaft führt immer alles auf den Ursprung des Menschen zurück und die Religion schwingt sich immer zur Bestimmung des Menschen empor. Der Mensch ist beides, darum ist der Mensch in einem Dilemma, in ständiger Angst: Sein oder Nichtsein? Aus Angst vor dem Nichtsein wird er wieder zum Tier – dann wird er eins, dann hebt sich die Spaltung auf und es gibt wieder Frieden, Ruhe und Harmonie. Darum versuchen Millionen von Menschen auf verschiedenste Weise, wieder zum Tier zu werden. Der Krieg gibt dem Menschen Gelegenheit, wieder zum Tier zu werden – daher die große Faszination des Krieges. In dreitausend Jahren Geschichte haben die Menschen fünftausend Kriege geführt. Ununterbrochen geht immer irgendwo der Krieg weiter und es vergeht kein Tag, an dem die Menschen sich nicht gegenseitig umbringen. Woher kommt diese ungeheure Lust an der Zerstörung und am Töten? Die Ursache liegt tief in der Psyche des Menschen begraben. In dem Moment, in dem ich töte, bin ich plötzlich eins. Ich werde wieder zum Tier und damit verschwindet die Dualität. Daher die ungeheure magnetische Anziehungskraft, die im Mord und im Selbstmord liegt. Der Mensch kann noch nicht zur Gewaltlosigkeit überzeugt werden. Die Gewalt bricht einfach hervor. Namen und Parolen ändern sich, aber die Gewalt bleibt die gleiche – im Namen von Religion, im Namen einer politischen Ideologie oder irgendeiner anderen absurden Sache … Ein Fußballspiel genügt und schon werden Menschen gewalttätig. Die Menschen haben großes Interesse an Gewalt. Und wenn sie nicht selbst gewalttätig sein können, weil es riskant ist und man an die Folgen denken muss, dann finden sie Umwege zur Gewalttätigkeit. Im Kino, im Fernsehen ist Gewalt eine Notwendigkeit; einen Film ohne Gewaltszenen schaut sich keiner an. Wenn ich Gewalt und Blutvergießen sehe, werde ich plötzlich an meine animalische Vergangenheit erinnert. Ich vergesse die Gegenwart, ich vergesse die Zukunft und gehe wieder zurück in meine Vergangenheit. Ich identifiziere mich damit. Was auf der Leinwand, auf dem Bildschirm passiert, wird irgendwie zu meinem eigenen Leben. Ich bin kein Zuschauer mehr, in solchen Augenblicken werde ich zum Teilnehmer. Ich falle in die gewalttätige Schwingung hinein. Gewalt übt eine große Faszination aus. Auch Sex übt eine große Faszination aus, weil ich nur im Augenblick der sexuellen Vereinigung wieder eins werden kann. Sonst bleiben wir zwei, getrennt; die Unruhe und die Spannung bleiben bestehen. Gewalt, Sex und Drogen – das alles hilft mir, für kurze Zeit, zumindest vorübergehend, zurückzufallen und wieder zum Tier zu werden. Aber es kann nicht zum Dauerzustand werden. Nichts lässt sich zurückdrehen. Ich kann höchstens so tun, als ob, ich kann höchstens etwas vortäuschen, aber nichts lässt sich zurückdrehen, weil die Zeit nicht rückwärts geht. Die Zeit geht immer nur vorwärts. Aus einem jungen Mann kann ich kein Kind mehr machen, aus einem alten Mann keinen jungen; das ist unmöglich. Die Evolution des Bewußtseins schreitet immer weiter voran und es gibt keine Möglichkeit, sie zu verhindern oder zurückzuschrauben. Deshalb sind alle Bemühungen des Menschen, wieder zum Tier zu werden und darin Frieden zu finden, zum Scheitern verurteilt.

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